Wir danken ganz herzlich Lena, Christine und Mareike für die folgende
"SICHT DER FREIWILLIGEN"
Erwartungen, Regelungen
Bei der Arbeit an den Projekten von Juntos e.V. in Chile
werden Freiwillige als vollwertige Teammitglieder integriert und anerkannt.
Dies hat zur Folge, dass man einerseits eigene Vorschläge
(z.B. in den Teamsitzungen) mit einbringen kann, andererseits aber auch
Verpflichtungen hat. So gelten für Freiwillige die gleichen Regelungen wie für
den Rest vom Team. Ganz wichtig für eine gute Zusammenarbeit ist, dass man alle
seine Vorhaben und Probleme mit dem Team oder einem Verantwortlichen bespricht.
Um auch bei den Kindern als vollwertiges Mitglied des Teams anerkannt zu
werden, ist es wichtig Regelungen zu befolgen und sich mit den anderen
Erziehern abzustimmen.
„Leben im Heim“
ðkeine
Privatsphäre
ðtagsüber
keine geregelten Arbeitszeiten
ðnotwendige
Bereitschaft seine Zeit den Kindern zu widmen
ðkeine abgegrenzten
Arbeitsbereiche
Der Umgang mit den Kindern
Die größte Schwierigkeit im Umgang mit den Kindern liegt
darin, trotz des oft geringen Altersunterschieds und der Nähe zu den Kindern
eine respektvolle Beziehung aufzubauen. Ich denke, dass es wichtig ist, sie in
ihre Schranken zu weisen und ihnen feste Regeln zu ihrer Orientierung zu geben,
und nicht ein zu freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Das könnte nämlich
leicht dazu führen, dass sie einen mit sich selbst auf eine Stufe stellen und
so der nötige Respekt vor den eigenen Entscheidungen fehlt. Allerdings ist es
sehr schwer die Mitte zwischen freundschaftlichem und autoritärem Verhalten zu
finden und deswegen darf man es sich auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen, wenn
die Kinder wieder einmal keinen Respekt vor einem haben und machen was sie
wollen. Diese Erfahrung muss wohl jeder Freiwillige selbst machen. Aber bei
aller Verzweiflung über das Verhalten der Kinder sollte man sich auch immer
wieder in Gedanken rufen, aus was für zerrütteten Verhältnissen einige Kinder
stammen. Und nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt, wie herzlich die
Kinder einen neuen Freiwilligen aufnehmen und versuchen zu helfen. Und wenn sie
wollen, können sie sehr gut erzogen sein; eben wie alle Kinder auf dieser Welt.
Verhalten bei Problemen
Bei auftretenden Problemen am besten zunächst das Gespräch
mit den unmittelbar betroffenen Personen suchen, dann mit dem „Leitungsteam“ in
Chile. Die Kollegen haben immer ein offenes Ohr und es liegt auch in ihrem Interesse,
dass es den Freiwilligen gut geht.
Auf keinen Fall dürfen Probleme, die aus der geleisteten
Arbeit oder durch Konflikte mit Teammitgliedern entstehen mit den Kindern
besprochen werden.
Wiederkehrende Unstimmigkeiten sollten nicht unterdrückt, sondern
lieber gleich geklärt werden.
Man sollte wissen, wo die eigenen Grenzen liegen. Da15h
Beanspruchung am Tag kein Einzelfall ist, kann Überforderung eine Folge sein.
Um dem vorzubeugen, ist es wichtig auf sich zu achten und sich Zeit für sich
selbst zu nehmen. Also möglichst rechtzeitig darüber sprechen, so dass dem
entgegengewirkt werden kann, indem ggf.
Aufgaben verteilt werden.
Arbeitszeit, Urlaubs- / Freizeit-regelungen
Arbeitszeit
Das Wochenende ist in der Regel von Freitag Abend bis Sonntag 17:00 frei und
ein freier Tag in der Woche; am freien Tag muss man allerdings selbst dafür sorgen, sich
von Pflichtenfreizuhalten, und den Tag für sich nutzen.
Urlaub
Die Urlaubszeit richtet sich nach der Dauer des Dienstes (i.
d. R. 3 Wochen je 6 Monate)
ð der
Zeitraum muss mit den Kollegen, sowie den anderen Freiwilligen abgeklärt werden
ð die
eigenen Aufgaben müssen vorher verteilt werden
ð es
ist wichtig, dass während der Abwesenheit Kontakt mit dem Heim gehalten wird
Visum
Ein Visum für Chile kann man relativ problemlos beantragen,
muss dafür aber ca. 70 Euro bezahlen. Die Alternative ist mit dem einfachen
Tourismus-Visum (wird im Flugzeug ausgehändigt) einzureisen. Da es nur für 90
Tage gültig ist, muss man jeweils vor Ablauf dieses Zeitraumes in ein anderes
südamerikanisches Land ausreisen. Die einfachste und nahste Möglichkeit ist das
argentinische Mendoza. So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden
und ein Wochenende in Argentinien verbringen. Damit es sich auch lohnt,
versucht am besten euch Montag oder Freitag frei zu nehmen. Die Fahrt dauert
ca. 8 Stunden. Im Sommer gibt es auch Nachtbusse. Das spart Zeit, ist aber, da
es in Serpentinen über einen der höheren Andenpässe geht nicht die
entspannendste Nachtfahrt. Im Winter fahren diese Busse teilweise nicht und der
Pass wird dann auch tagsüber immer wieder mal wegen Schnee gesperrt. Zumindest
eine der Strecken sollte man sowieso tagsüber machen, da man sonst eine absolut
beeindruckende Fahrt über die Anden verpasst.
Bei der Wiedereinreise nach Chile wird einem einfach ein
neues Visum ausgestellt (gut aufheben). Diese Aktion kann nach den bisherigen
Erfahrungen beliebig oft wiederholt werden.
Unterkunft im Heim
Im Normalfall werden die Freiwilligen im Heim, im
allgemeinen Schlafgebäude, untergebracht, d.h. sie wohnen „Tür an Tür“ mit den
Heimkindern. Die Verteilung auf die Zimmer hängt von der Zusammensetzung der
Freiwilligen ab und kann prinzipiell von ihnen mitbestimmt werden. Der zur
Verfügung stehende Raum ist beschränkt und daher kann ein Einzelzimmer nicht
garantiert werden.
Die Zimmer sind - den
Lebensverhältnissen entsprechend- einfach eingerichtet und mit einer
Grundausstattung an Möbeln ( Betten, Schränke, Bücherregale, teilweise
Schreibtisch) ausgestattet.
Zwei der Zimmer haben außerdem ein Bad, d.h. dass sich die Freiwilligen
zusammen mit dem Nachterzieher diese zwei Bäder (meistens nach der
Geschlechterfrage getrennt) teilen, und nicht die der Kinder mitbenutzen
müssen.
Die Wohnsituation im Heim hat Vor –und Nachteile. Dass man
so „eng“ mit den Kindern zusammenlebt, macht es einem schwer abzuschalten und
sich Zeit und Raum für sich zu nehmen. So ist es wichtig, ein paar äußerliche
Grenzen aufzuzeigen, z.B. das Zimmer als Privatraum zu verstehen, um sich auch
mal zurückziehen zu können. Das kennen so auch schon die chilenischen
Mitarbeiter und auch die Kinder sind daran gewöhnt, was allerdings nicht
verhindern wird, dass trotzdem immer wieder auch an freien Tagen- an der Tür
geklopft oder gerufen wird oder dass die Kinder immer mal wieder reinkommen,
sich umsehen, neugierig sind, oder vielleicht einfach nur Gesellschaft wollen.
Auf der anderen Seite entsteht durch diese Art des
Zusammenlebens auch eine sehr familiäre Atmosphäre. Man wird so sehr schnell
integriert und es entsteht ein richtiges Miteinanderleben.
Haus
In der Regel steht einem in Bad und Küche warmes Wasser zur
Verfügung. Mit Ausnahmefällen muss jedoch gerechnet werden, und stundenlangen
Dusch –bzw. Badegenuss wird man möglicherweise vor allem anfangs doch ein wenig
vermissen.
Während des normalen Heim –und Schulbetriebes wird man über
die „Heimküche“ verpflegt. Am Wochenende kann die Küche benutzt und Teile der
vorhandenen Lebensmittel verbraucht werden.
Eine Waschmaschine existiert und kann ebenfalls am
Wochenende benutzt werden. Allerdings benutzt sie fast nur kaltes Wasser, so
dass die Kleidung nicht immer richtig sauber wird. Außerdem schafft sie es auch
irgendwie die Farbe aus den Kleidern zu saugen, und es geht immer mal wieder
was kaputt. So kann man sich überlegen, hin und wieder oder bei ausgewählten
Kleidungsstücken lieber auf Handwäsche zurückzugreifen, auch wenn dies etwas
mühselig und zeitaufwendig ist.
Telefon und Internet kann gegen Gebühr benutzt werden. Der
Tarif nach Deutschland ist nicht teuer, man kann sich aber vor allem aus
Deutschland mit entsprechender Billig-Vorwahl extrem günstig anrufen lassen. (ca 1,6 ct/min). Telefonieren
ist kein Problem, jedoch sollte man darauf achten, den Heim –bzw. Schulbetrieb
nicht zu stören. Anrufe aus Deutschland sind normal und das Verständnis für ein
Gespräch mit Zuhause eigentlich fast immer vorhanden.
Es sollte einem klar sein, dass in Chile, und so auch im
Kinderheim, andere hygienische Zustände normal sind, als wir das im Allgemeinen
aus Deutschland gewöhnt sind.
So sind z.B. Flöhe ein möglicher Mitbewohner. Einige der
Kinder haben auch Läuse, selbst wenn diese regelmäßig wöchentlich bekämpft
werden. Im Sommer muss man auch damit rechnen von Ameisen regelrecht
übervölkert zu werden. Auch Nacktschnecken leisten einem gerne mal im Bad
Gesellschaft.
Es ist klar, dass man dieses Leben auf dem Land nicht mit
einer vielleicht klinisch sauberen Stadtwohnung vergleichen kann. Wenn man sich
aber ein wenig bemüht, kann man durchaus sein Zimmer und Bad sauber halten.
Besuchsregelungen
Die Chilenen sind in ihrer gastfreundlichen, offenen Art
Besuch gegenüber generell positiv eingestellt und freuen sich oft, Familie oder
Freunde kennen zu lernen.
Das Wichtigste ist, alles vorher abzuklären. Wenn man also gerne Freund oder
Freundin im Heim für ein paar Tage einquartieren würde, sollte man unbedingt
vorher Team und Heimleitung fragen. Wenn dann nichts dagegenspricht, kann man
sich auf eine freundliche Aufnahme und v.a. bei den Kleinen auf große Neugierde
einstellen. Da es in dem Schlafgebäude einen Mädchen – und Jungengang gibt,
sollte diese Trennung auch bei den Freiwilligen und etwaigem Besuch beibehalten
werden.
Allgemeine Vorsichtsmassnahmen
Am besten sollte man nie zu viel Geld bei sich haben und
wenn dann immer am Körper tragen. Es ist gut immer Kleingeld parat zu haben, da
in den kleineren Geschäften und den öffentlichen Verkehrsmitteln oftmals große
Scheine nicht gewechselt werden können.
In Valparaíso sollte man nicht alleine und nachts nur in
belebten Gegenden herumlaufen. Es ist am besten den Hafen und andere
gefährliche Viertel generell zu meiden.
Allgemein sollte man - wie überall auf der Welt- darauf
achten, wo man sich sicher fühlt und bei einem unguten Gefühl lieber vorsichtig
sein. Ein Pfefferspray, das man auch gegen die Hunde einsetzten kann, wäre eine
Möglichkeit, sich zu „verteidigen“.
Nach der Ankunft in Chile erschrickt man oft über die hohe
Anzahl herrenloser Hunde, und besonders über das meist ungepflegte, ungesunde
Aussehen. Auch wenn sie im Normalfall nicht gefährlich sind, sollte man die
Hunde besser nicht anfassen, da auch auf den Menschen übertragbare Krankheiten
verbreitet sind.
Sehr ungewohnt ist auch das scheinbar nicht vorhandene
Umweltbewusstsein. So wird Müll oft einfach auf die Strasse oder in die
Landschaft entsorgt, Mülleimer scheint es viel zu wenige zu geben und an
Mülltrennung braucht man erst gar nicht zu denken. Bei dem ersten „Besuch“ auf
einer Müllhalde wird einem das richtig unschön vor Augen geführt.
„Kulturschock:...die Leute sind ja gar nicht so arm, oder doch?
Das ist einer der typischen Sätze oder Eindrücke, den viele
Voluntarier oder andere Besucher am Anfang in Chile und auch noch in den
Poblacionen, den Randvierteln, haben. Es ist auch richtig, materiell geht es
vielen Chilenen besser als den Menschen in anderen lateinamerikanischen
Ländern. Die meisten Menschen haben Trinkwasser im Haus und Strom und jedes
Kind hat Anrecht auf Milchversorgung und Impfungen. Die Armut ist viel weniger
sichtbar und hat auch nicht das Ausmaß von Slums in Brasilien oder Indien.
Also, man sollte nicht von seinem Aufenthalt erwarten in heruntergekommenen
Wellblechhütten ohne Wasser und Strom zu wohnen und von unterernährten Kindern
mit aufgeblähten Bäuchen umgeben zu sein. Guckt man jedoch einmal hinter die
Fassaden [...] wird man auf große Armut treffen. 10 Menschen auf engstem Raum,
Drogenabhängigkeit, interne Familiengewalt (Chile hat eine der höchsten Raten
von Lateinamerika); Jugendschwangerschaften sind nicht selten in ein und der
selben Familie anzutreffen. Das Gesundheitssystem benachteiligt Leute ohne
Geld: Wer eine etwas kompliziertere Krankheit hat, kann auch schon mal auf die
Diagnose warten, bis es schon viel zu spät ist.
In Chile ist die Armut viel subtiler, es zieht sich eine
leise Mauer durch die Gesellschaft. [...] Das traurige in Chile ist, dass es
sehr viel Geld, Bildung, Kommunikation und Technologie gibt, dies jedoch
hauptsächlich der reichen Oberschicht vorbehalten bleibt. In vielen anderen Ländern
ist es auch so, für Chile bestünde aber realistisch die Möglichkeit die
Gesellschaft gerechter und die Ressourcen besser zu verteilen.“
Quelle:
Infobroschüre für Voluntarier der Fundación cristo vive
www.fundacióncristovive.cl
Verkehrsverbindungen
Um überhaupt irgendwelche Verkehrsmittel benutzen zu können,
muss man vom Heimgelände erst mal ins „Dorfzentrum“ laufen (15-20 min).
„Micros“ (kleine
Busse für den Nahverkehr) oder „colectivos“ (gelbe Sammeltaxen) kann man
überall anhalten. Auf jeden Fall fahren sie aber an der „plaza“ in San Pedro
vorbei. Sie fahren ca. alle 20 Minuten nach Quillota, in die nächstgrößere
Stadt, in der man alles kaufen kann, in der es ein wunderschönes Schwimmbad,
ein Kino, Parkanlagen, Cafés und Diskos gibt.
Ein wenig außerhalb von San Pedro gibt es eine
Abfahrtsmöglichkeit mit dem Bus nach Valparaíso / Vina del Mar und in kleinere
Orte am Meer. Von der Kreuzung vor San Pedro („cruce de San Pedro“) aus gibt es
die Möglichkeit, direkt nach Santiago zu fahren (ca. 2 ½ Std.). Am besten, ihr
fragt gleich die anderen Freiwilligen oder die anderen Mitarbeiter darüber aus,
wie man wo hin kommt, um gleich von Anfang an mobil zu sein. Das ist nämlich
gar nicht schwer und man kann an seinem ersten freien Tag gleich mal ans Meer fahren.
„Freiwilligen-Bibliothek“
Zurückgelassen von den bisherigen Freiwilligen, hat sich
inzwischen schon eine ganz nette Auswahl an „Literatur“ angesammelt.
Es gibt ein Wörterbuch (dt.-span.), ein bisschen
Spanisch-Grammatik, verschiedene Romane (deutsch, englisch, spanisch), auch
Isabell Allende, Pablo Neruda, Gabriele Mistral sowie einige Reisführer, wie
zum Beispiel den Lonely Planet
Der umfangreichste und sehr interessante Reiseführer
„Turistel“ (nur auf spanisch erhältlich) ist in allen 3 Bänden vor Ort für die
Freiwilligen verfügbar. Er enthält viele wissenswerte Details und ist mit etwas
Spanischübung auch ganz gut zu lesen.
Bank
Am besten, man macht vor seiner Abreise in Deutschland ein
Konto bei der Deutschen Bank auf. Die haben nämlich in Chile die Scotiabank
als Partnerbank, was bedeutet, dass man dort umsonst immer Geld abheben kann.
Die Scotiabank ist in fast allen Städten in Chile ansässig (so auch in
Quillota). Als Ersatz sollte man aber auf jeden Fall noch seine normale EC
Karte dabeihaben, die meistens auch funktioniert, oder sich eine Kreditkarte
zulegen, mit der man in den großen Supermärkten oder auch bei größeren
Busgesellschaften bezahlen kann.
Umgangsformen
In Chile gibt man ausnahmslos jedem zur Begrüßung einen
Kuss.
Zu Einladungen bringt man immer was zu Essen oder Trinken
mit und manchmal wird dort dann auch noch Geld für Fleisch etc. eingesammelt.
Die meisten Leute in eurem Umfeld könnten es sich sonst einfach nicht leisten,
jemanden einzuladen.
Zwar sollte man sich ein gewisses Maß an Misstrauen Fremden
gegenüber beibehalten, doch kann man in der Regel darauf bauen, dass die
Chilenen sehr ehrliche Menschen sind und darauf auch stolz sind. Man wird so
gut wie nie über den Tisch gezogen, und in Chile beim Einkaufen um den Preis zu
feilschen, ist den Menschen eher fremd (obwohl man es natürlich probieren
kann). Die Leute sind sehr hilfsbereit. Sie erklären einem, wenn es sein muss,
fünf mal den Weg und oft wird man auch auf der Straße angesprochen, ob man
Hilfe braucht.
Worauf man sich auch einstellen muss, ist die sehr direkte
Art der Chilenen, die für uns Deutsche zuerst etwas befremdlich sein kann.
Durchaus kann es passieren, dass man schon bei der Ankunft im Heim sein erstes
Antikompliment bekommt. Aber es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als es
zu schlucken, weil es garantiert niemand böse meint und man dafür auch genug
Selbstbestätigung bekommt. In Chile ist es nämlich ganz normal, dass Männer
Frauen und auch Frauen Männern hinterher rufen, wenn sie sie attraktiv finden.
Man sollte sich davon nicht angegriffen fühlen, sondern es einfach als
Kompliment sehen.
Sprache
Im Chilenischen Castellano gibt es einige Wörter, die im
europäischen Spanisch entweder nicht benutzt werden oder einen anderen Sinn
haben. Z.B.:
huevon (Jugendsprache) = Arschloch, Kumpel, Teil,
etc.
cachay? = verstanden? / gerafft?
auto = Auto
bus = Bus
coche = Kinderwagen, Ziehwagen
Zum Abschied sagen die Chilenen nie adios, sondern chau
und que te vaya bien, als Begrüßung nie qué tal, sondern cómo
estay oder como te va.
Das „y“ wird oft am Ende einer Du-Form (2.P.Sing)
benutzt. Sie sagen z.B. „Soy tonto“ und meinen dann aber den anderen und
nicht sich selbst.
Es gibt auch keine vosotros-Form (2.P.Pl). Für „ihr“
wird ustedes benutzt. Bei ernsteren Gesprächen oder wenn man ein Kind
zurechtweist, sagt man oft auch usted anstelle von tú.
Als Füllwort benutzen die Chilenen das Wort „po“,
indem sie es einfach an ein anderes Wort anhängen.
Ausflüge fürs
Wochenende
Santiago
Wenn man nach Santiago fährt, sollte man sich auf jeden Fall
das ganze Wochenende dafür Zeit nehmen. Wir haben in einem Hostal im Barrio
Brasil übernachtet, wo es uns auch bei Nacht
ziemlich ungefährlich vorkam und wo es mehrere Hostales gibt. In
Santiago fahren nachts auch noch Busse und wenn man in einer größeren Gruppe
ist, ist es kein Problem, spät heimzukommen. Fahrt auf jeden Fall auf den Cerro
San Cristobal, aber erst am späten Nachmittag, weil dann die Aussicht besser
ist und man, wenn man Glück hat, die Anden sieht, garantiert aber einen
atemberaubenden Blick über die ganze Stadt hat. Santiago ist viel schöner und
beeindruckender als ihr Ruf.
Valparaíso/Vina
Nach Valparaíso kann man locker an einem Tag hin- und
zurück, obwohl es bestimmt schön ist, dort auch mal zu übernachten und das
Nachtleben zu erkunden. Abends kann man da bestimmt auch schön in die kleinen
Theater gehen, die auf den Hügeln liegen.
Ihr müsst auf jeden Fall bei schönem Wetter in das Haus von
Pablo Neruda (La Sebastiana), das jetzt ein Museum ist, von wo man einen echt
gigantischen Ausblick hat. Fahrt auf jeden Fall auch mit einer funicular,
ist ja eh klar, und geht in das Museo „Cielo abierto“, wo man in engen Gässchen
Wandmalereien besichtigen kann.
Viña unterscheidet sich kaum von einer südeuropäischen
Touristenstadt am Meer und trotzdem hat es uns dort sehr gut gefallen. An
unseren freien Tagen kamen wir oft hier her. An Sylvester geht ihr am besten
auch an den Strand in Viña, wo das größte Feuerwerk von ganz Südamerika
stattfindet. Man kann sich direkt ans Meer setzen und zusehen, wie sich das
Feuerwerk im Wasser spiegelt. Sehr romantisch!
Reisen
Das Reisen ist in Chile total einfach und
billig und man sollte sich auf jeden Fall genügend Zeit (mindestens 2 Wochen für den Norden und 3 für den Süden) dafür
nehmen, weil man, wenn man einmal damit angefangen hat, so fasziniert ist, dass
man nicht mehr aufhören will. Die Landschaft dort ist einfach gigantisch! Ein
Hostal zu finden ist gar nicht schwierig. Entweder man richtet sich nach dem Reiseführer
oder fragt nach der Ankunft einfach nach dem nächsten Touristenbüro, wo man
garantiert immer etwas zugewiesen bekommt. Oft fangen einem die Hostalbesitzer
auch schon am Busbahnhof ab und man hat ohne nachzudenken schon eine Bleibe.
Mit den Bussen kann man für wenig Geld wirklich überall hin
kommen. Zu den Hauptreisezeiten sollte man sich vielleicht ein bisschen früher
um Plätze im Bus kümmern. An den Busterminals müsst ihr auch immer die Preise
der unterschiedlichen Busgesellschafen vergleichen. Da gibt es nämlich oft
ziemliche Unterschiede. Tur Bus z.B. ist zwar nicht die billigste, aber dafür
eine sehr zuverlässige und empfehlenswerte Busgesellschaft.
Da man z.T. sehr weite Strecken zurücklegen muss, ist es
empfehlenswert, bei Nacht zu reisen. Die Busse sind zum Schlafen ausgerichtet
und man spart Zeit und das Geld für die Nacht im Hostal.
Reise in den Süden
Beste Reisezeit: Sommer (Oktober bis Januar)
Unser erstes Ziel war Curacautín, in der Nähe des
Nationalpark Conguillio. Man kann direkt mit „Tur Bus“ von Santiago über Nacht
nach Curacautín fahren. Wir wollten dort unbedingt die alten Araucarien sehen,
was sich auch wirklich gelohnt hat. Der PN Conguillio ist wunderschön, man kann
dort auf Lavagestein bis zur Schneegrenze wandern. Wir haben im Hostal
Suizandina gewohnt, das von Schweizern betrieben wird und auch so aussieht wie
in der Schweiz. Von dort aus sieht man den Vulkan und die Berge. Aber leider
ist es auch ein bisschen teurer. Wir haben für einen Gruppenschlafraum 6000
Pesos oder mehr bezahlt.
In dieser Gegend gibt es auch viele Wasserfälle und noch
andere PN, aber wir hatten viel zu wenig Zeit. Dort könnte man locker eine
Woche verbringen.
Von dort sind wir weiter nach Pucón gefahren. Pucón schreckt einem erst mal
ein bisschen ab, weil es aussieht wie ein Skidorf in Österreich. Aber der
Anblick des Vulkans Villarrica, der das Dorf überragt und dessen Glut bei Nacht
leuchtet, lässt den Tourirummel in den Hintergrund treten. Wir waren im Hostal
Irma, das Billigste (3500) von allen. Die Küche war sehr sauber, aber die
Zimmer auch sehr, sehr einfach.
Es gibt dort unzählige Agenturen, die alle möglichen Sport-
und Freizeitangebote anbieten. Wir waren zuerst raften, was zwar sehr schön,
aber auch gefährlich war (Lena ist fast ertrunken) und dann noch auf dem
Villarrica. Das müsst ihr einfach machen. Es ist zwar total anstrengend, aber
wenn man oben ist, entschädigt der Ausblick auf die anderen Vulkane, die
Lavaströme und den feuerspuckenden Krater alles. Geht unbedingt zu einer
Agentur, die Gasmasken und Helme bei der Ausrüstung dabei hat. Sonst bekommt
man ganz schlimme Atembeschwerden. Rechnet für Pucón lieber einen Tag länger
ein, weil es auch sein kann, dass der Aufstieg auf den Vulkan wegen der
Wetterverhältnisse verschoben wird und danach ist man so erschöpft, dass man
ganz froh ist, wenn man noch einen Tag zum Ausruhen hat. Diesen Tag kann man
dann dazu benutzen, an dem See mit Vulkanstrand zu baden. Das Wasser ist zwar
kalt, aber wann hat man schon mal mit Blick auf einen Vulkan gebadet?
Von dort aus sind wir weiter nach Valdivia gefahren.
Valdivia hat sich unserer Meinung nach nicht besonders gelohnt. Die Stadt an
sich ist nichts Besonderes und die Ausflüge, die man in die Naturschutzgebiete
machen konnte, waren sehr touristisch. Das einzig Schöne war der Fischmarkt und
die Seelöwen, die in dem Fluss herumgeschwommen sind.
Von Valdivia sind wir weiter Richtung Puerto Montt gefahren,
haben aber Zwischenstation in Frutillar gemacht, das am See Llanquihue liegt
und von wo aus man den Vulkan Osorno mit seinem Schneekegel sehen kann, der
sich wunderschön im Wasser spiegelt. Also, ein Abstecher dorthin würde sich auf jeden Fall lohnen. Die ganze Gegend
dort ist toll. Überall grasen Kühe und im Hintergrund sieht man die Vulkane und
die Seen.
Puerto Montt hat uns sehr gefallen, weil es an einer ganz
langen Bucht liegt und man dort irgendwie von dem Gefühl gepackt wird, dass
hier Patagonien anfängt. Wir sind stundenlang am Meer entlanggelaufen. Morgens
solltet ihr auf jeden Fall auf den Fischmarkt, der ist wirklich toll. O.k., als
Vegetarier vielleicht nicht so. Aber es gibt dort auch viel schöne Artesanía
(Kunsthandwerk).
Von Puerto Montt aus gibt es eine Schiffsreise über die
verschiedenen Seen nach Bariloche. Bei schönem Wetter ist sie bestimmt
traumhaft, weil sie an den Vulkanen vorbei und mitten durch den Regenwald
führt. Aber leider regnet es dort 300 Tage im Jahr und als wir rübergefahren
sind, natürlich auch, obwohl am Vortag noch Sonne und blauer Himmel war. Wir
haben gar nichts gesehen. Außerdem ist die Fahrt sehr teuer, es fahren fast nur
ältere Leute mit und es ist eine totale Massenveranstaltung. Leider gibt es,
soweit wir wissen, keine andere Möglichkeit, diese Tour zu machen.
Für diese Reise von San Pedro nach Bariloche und zurück
haben wir genau 2 Wochen gebraucht, haben aber natürlich nicht alles gesehen.
Highlight:
- Parque
Nacional Torres del paine: In Puerto Natales könnt ihr euch Zelt und alles
andere, was ihr für eine Tour durch den Nationalpark braucht leihen. Von
da aus fährt auch ein Bus, der euch bis zum Eingang des Parks bringt. Je
nach eurer Fitness könnt ihr verschiedene touren machen. Ich bin damals
das „W“ gewandert. Auf den ausgeschilderten Wegen gibt es immer wieder
Campingplätze, einige von ihnen sind gratis, allerdings hat man, wenn man
sich für die „W“-Route entscheidet ein straffes Tagesprogramm vor sich,
wenn man die weit auseinanderliegenden Campingplätze erreichen will. Aber
es ist zu schaffen. Plant genügend Zeit ein, denn die gigantischen
Gletscher und die atemberaubende Natur verleiten einen dazu gerne einfach
mal noch einen Tag dran zu hängen und die Natur zu genießen. Ihr solltet
euch, wenn ihr alleine reist, besser jemandem anschließen, da man zu
manchen Zeiten wenigen Menschen begegnet, und so im Fall eines Unfalls
ziemlich aufgeschmissen wäre.
Reise in den Norden
Beste Reisezeit: Winter
Auf unserem Weg in den Norden hatten wir unseren ersten
Stopp in Ovalle, weil in unserem Führer stand, dass man von dort am besten in
den PN Fray Jorge kommt. Aber macht das auf keinen Fall, dort gibt es nämlich
gar nichts. Weder Unterkünfte, noch Ausflugsagenturen.
Also sind wir gleich weiter nach La Serena gefahren. Das
Hostal „El Punto“ ist echt super schön und sauber und das Frühstück sehr gut.
Es wir von zwei Deutschen geführt und die Atmosphäre ist echt toll. Dafür
kostet es auch mindestens 6000 oder mehr pro Nacht. (Ein anderer Tip ist
„Marias Casa“, was von einem sehr netten, hilfsbereiten Chilenen mit seiner
Mutter zusammen geführt wird, der euch auch nach vorheriger Anmeldung am
Busterminal abholt. Es kostet je nach Saison 3000 bis 4000 Pesos.) Die Agentur,
mit denen wir Ausflüge gemacht haben, heißt Elqui-Tours und ist sehr gut. Am
besten war der Ausflug auf die Islas Damas! Wenn man Glück hat, sieht man dort
Wale und Delphine und auf jeden Fall Pinguine und Seelöwen. Das Valle de
Elqui ist auch faszinierend und den PN Fray Jorge sollte man gesehen
haben. Am besten wäre es, zu der Zeit hinzukommen, in der die Wüste blüht.
Was in La Serena auch Wahnsinn ist, ist der Strand. Er ist
ganz weiß und unendlich lang. Wenn man montags frei hat, lohnt es sich auch,
nur von Freitag bis Montag nach La Serena zu fahren.
Von La Serena sind wir über Nacht nach Chañaral gefahren,
ein Wüstendorf am Meer, fast ein bisschen unheimlich. Der in der Nähe gelegene
PN Pan de Azucar ist wunderschön, aber man muss dort mit einer Ausflugsagentur
durchfahren (die nur zur Hauptreisezeit im Sommer offen hat!) oder sich am
besten ein Auto mieten.
Von dort aus sind wir weiter in die Wüstenstadt San Pedro de
Atacama gefahren. An Hostales mangelt es hier keineswegs. Bucht eure Ausflüge
besser bei einer teureren Agentur, da wir den Vergleich hatten und man dort
viel mehr mitbekommt. Es lohnt sich. Macht auf jeden Fall diese 3 Touren:
Valle de la Luna, Geysire, Lagunas Altiplanicas Miñique und Miscanti.
Viele verzichten auf diese letzte Tour, weil sie am
teuersten ist, aber die ist einfach ein Muss.
Für diese Reise in den Norden haben wir eine Woche
gebraucht, was auch sehr knapp bemessen war.
Wenn euch das Reisefieber gepackt hat und ihr weiter nach
Peru oder Bolivien reisen wollt, müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass
hier wieder eine ganz andere Kultur beginnt und die Menschen noch viel ärmer sind als in Chile. Wenn ihr
alleine reist, vor allem als Frauen, solltet ihr nachts nicht mehr raus und
sehr vorsichtig sein. Ich bin damals alleine gereist und bin nie in eine
gefährliche Situation gekommen, dennoch ist es besser sich einer Gruppe oder
zumindest einem Mann anzuschließen. Es ist wirklich faszinierend das die
penetranten Annäherungsversuche, sobald man in Begleitung eines Mannes ist
plötzlich ganz aufhören. Außerdem sollte einem auch bewusst sein, dass viele
der Menschen auf das Geld der Touristen angewiesen sind, und in uns oft vor
allem eine Geldquelle sehen.
Absolute high-lights auf meiner Reise waren:
- der Canyon el Colca in Arequipa. Reiseagenturen
bieten trekking touren in den Canyon an, die zu einer Oase führen. Es ist
wahnsinnig anstrengend, heiß und einfach ganz anders, als alles was ich
vorher gesehen habe. Besonders befremdlich war es für mich, dass es
Familien gibt, die in dieser Isolation und Abgeschiedenheit leben. Bei
solch einer Familie haben wir Halt gemacht und zu Mittag gegessen. Ein
bisschen schade ist, dass viele Peruaner und auch Bolivianer in ländlichen
Gebieten nicht gut oder gar nicht spanisch sprechen. Übernachtet haben wir
in einfachen Hütten in einer Oase.
- Cuzco
ist ein Muss für jeden Peru Reisenden. Leider ist die ehemalige Inka Stadt
ein Touristenanziehungspunkt, aber man kann die Inkastätten auch auf
unkonventionelle Art und Weise, z.B. zu Pferd erkundschaften.
- Titikakasee
mit seinen vielen Inseln, von denen manche nach wie vor bewohnt sind und
ganz eigene Regeln und Gesetze für ihr dörfliches Zusammenleben haben.
- Salar
de Uyuni, diese Salzwüste kann mit einem Jeep in 3 Tagen durchquert
werden. Startpunkt kann entweder in Chile in San Pedro de Atacama sein
oder auf bolivianischer Seite in Uyuni Die unendliche Weite und die vielen
Lagunen sind atemberaubend schön.
Insgesamt habe ich für meine Reise in den Norden 3 Wochen
gebraucht.
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